"Risiko Hormonspirale" - Vortrag von Katharina Micada, Patientinnengruppe Risiko Hormonspirale

Die Patientinneninitiative „Risiko Hormonspirale“ ist ein Treffpunkt für Frauen, die unter den Nebenwirkungen der Hormonspirale leiden oder gelitten haben. Ziel ist es, über Werbelügen, Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären, da dies FrauenärztInnen oft mangelhaft oder gar nicht tun. Im Vortrag wird über körperliche und psychische Symptome, die im Zusammenhang mit der Hormonspirale auftreten können  gesprochen und betroffenen Frauen Möglichkeiten zur Selbsthilfe aufgezeigt

© Katharina Micada



Schreiben von Risiko-Hormonspirale an den Berufsverband der Frauenärzte vom 11.2.2016

 

Betreff: Verletzte Aufklärungspflicht von FrauenärztInnen 

 

Sehr geehrte Damen und Herren des Berufsverbands der Frauenärzte,

 

täglich erfahre ich in Internetforen von Frauen, dass sie von ihren GynäkologInnen nicht ordnungsgemäß über die Nebenwirkungen der Hormonspirale Mirena bzw. Jaydess aufgeklärt worden sind. Das ist sehr erstaunlich, denn bereits 2007 wurde in einem Rote-Hand-Brief des vormaligen Mirena-Herstellers Schering folgendes erwähnt:

„Nach Kenntnisnahme eines schriftlichen Aufklärungsbogens und der Gebrauchsinformation sowie Beantwortung möglicher Fragen im Rahmen eines Aufklärungsgesprächs soll die Patientin ihr Einverständnis schriftlich erklären.“

Hier ist der komplette Brief:

http://www.risiko-hormonspirale.de/files/Rote_hand_brief_Mirena_2007.pdf

Ich gehe davon aus, dass dieser Rote-Hand-Brief auch heute noch Gültigkeit hat und ebenso für die Jaydess zutrifft.

Fast alle diese Frauen berichten, dass sie anstatt dieses Aufklärungsbogens und des Beipackzettels lediglich die Werbebroschüre des Herstellers bekommen hätten.

 

Desweiteren höre ich täglich mehrfach, dass Patientinnen, die Beschwerden aufgrund von Mirena oder Jaydess hatten, von ihren Gynäkologen zu hören bekommen, dass diese Beschwerden nicht mit Mirena/Jaydess zusammenhängen könnten. Und dies obwohl diese Beschwerden im Beipackzettel unter Nebenwirkungen stehen. Begründet wird dieser angeblich nicht bestehende Zusammenhang mit der angeblich „lokalen“ Wirkung der Hormonspirale. Patientinnen sind i.d.R. medizinisch nicht vorgebildet und glauben den GynäkologInnen, dass eine lokale Wirkung möglich sei und die Hormone der Hormonspirale nicht ins Blut gelangen würden.

Ich halte diese Irreführung für einen massiven Vertrauensbruch des Arzt-Patient-Verhältnisses. Der Arzt hat korrekt aufzuklären und nicht Werbelügen des Medikamentenherstellers wiederzukäuen.

Desweiteren wird den Patientinnen erzählt, dass die Hormonspirale niedrig dosiert sei. Inzwischen wurde herausgefunden, dass eine Mirena-Hormonspirale täglich soviel Wirkstoff in den Blutkreislauf abgibt wie ZWEI Minipillen. Bei verlangsamtem Stoffwechsel kann es die Dosis von bis zu SECHS Minipillen sein.

Quelle: Artikel aus der internationalen gynäkologischen Fachzeitschrift „Gynecological Endocrinology“ http://www.cbgnetwork.org/3538.html

 

Es handelt sich also zum Teil um fehlende, zum Teil um falsche/irreführende Informationen, die die Frauen bekommen. Ich halte das schlicht gesagt für skandalös. Auch weil es sich hier offensichtlich nicht um einzelne schwarze Schafe handelt, sondern eher um den Großteil der GynäkologInnen.

 

Was schlagen Sie vor, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten?

Sollten diese nicht- bzw. falschinformierten Frauen ihre GynäkologInnen bei der Ärztekammer melden wegen Verstoßes gegen die Aufklärungspflicht?

Sollten sie sich an die Medien wenden?

Gibt es eine Möglichkeit, den GynäkologInnen Ihres Verbands flächendeckend die fehlenden Informationen zukommen zu lassen?

 

Mit freundlichen Grüßen

und im Namen Hunderter ehemaliger Hormonspiralenträgerinnen

K.M.

 

 

Die (kommentierte) Antwort des Berufsverbandes der Frauenärzte finden Sie auf der Seite Risiko Hormonspirale unter diesem Link.

 

 

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